Megatrend Social Commerce: Diese Funktionen sollten Marketer 2020 kennen

Rouven Fichte
16.7.2020

„Social Commerce ist der große Trend 2020“ titelte die W&V im Dezember 2019 – und da hatten wir alle noch nie etwas von Covid-19 gehört. Doch durch die weltweite Pandemie ist der Trend im letzten halben Jahr umso schneller gewachsen und die großen Social Media Plattformen haben innerhalb kürzester Zeit zahlreiche neue Features eingerichtet. Im Angesicht der Krise nutzen sie das, um sich als Helfer der kleinen Unternehmen zu positionieren. Aber auch für große Marken sind die Neuerungen absolut relevant.

Deshalb haben wir für euch die wichtigsten Neuerungen der letzten Monate zusammengefasst!

Was ist eigentlich Social Commerce? Mit dem Begriff Social Commerce war ursprünglich gemeint, die aktive Beteiligung und persönliche Kommunikation mit dem Kunden sowie der Zielgruppen untereinander in den Vordergrund zu stellen. Heute bezieht sich Social Commerce vor allem auf die Verschmelzung von Social Media Marketing und Sales, also Vertrieb, der direkt über soziale Kanäle erfolgt. Denn längst hat sich Social Media dazu entwickelt, nicht nur zu inspirieren, sondern auch Waren und Dienstleistungen zu verkaufen.

#1 Die Revolution: Facebook Shops

Fangen wir direkt mit dem wohl größten Paukenschlag in puncto Social Commerce der letzten Monate an: Facebook Shops. Der neue Dienst des Facebook-Konzerns könnte unser aller Shopping-Verhalten nachhaltig revolutionieren! Klingt übertrieben? Absolut nicht, denn enorm viele neue Funktionen stecken dahinter!

Das bietet Facebook Shops:

Im Mai hat Facebook-Chef Mark Zuckerberg persönlich in einem Livestream den neuen Dienst vorgestellt, der es Online-Händlern einfacher als je zuvor machen soll, in den Social Commerce einzusteigen. Mit Facebook Shops sollen Händler schnell und einfach einen Shop einrichten können, der perfekt in die Social Media Apps des Konzerns integriert ist. Nutzer können dann direkt innerhalb der Facebook- oder Instagram App durch das Produktportfolio stöbern, Produktbeschreibungen lesen und Shopping Listen anlegen.

Das Schlüsselwort dabei: Plattformübergreifend. Denn einmal eingerichtet, ist Facebook Shops über die diversen Plattformen des Facebook-Konzerns gleichzeitig nutzbar. Das macht die Nutzung für Shopper besonders angenehm – und für Händler besonders effizient. Zunächst ist Shops für Facebook und Instagram verfügbar, später im Jahr sollen WhatsApp und Messenger-Integrationen folgen, sodass zwischen Customer-Support via Chat und Einkaufserlebnis eine Seamless Experience entsteht.

In den USA ist bereits der Checkout direkt in der App möglich, sodass für einen Produktkauf die App nicht einmal verlassen werden muss. Also ein komplett intuitives Shopping Erlebnis, das sich nahtlos in die Social Media Nutzung integriert! In Deutschland und anderen Ländern wird der Nutzer aktuell noch auf die Produktseite des jeweiligen Online-Shops weitergeleitet, um dort den Kauf abzuschließen, aber es kann davon ausgegangen werden, dass Facebook mit Hochdruck daran arbeitet, auch außerhalb der USA eine voll integrierte Lösung anzubieten.

Das Beste für Online-Händler: Die Einfachheit!

Laut Facebook soll es dank Kooperationen mit den größten Shop-Plattformen (u.a. Shopify, BigCommerce und WooCommerce) mit wenigen Klicks möglich sein, den eigenen Online-Shop mit Facebook Shops zu verbinden, sodass Produktkataloge automatisch synchronisiert werden. Dadurch wird Facebook Shops zu einem extrem leicht zu erschließenden, neuen Vertriebsweg und eine echte Chance für kleine und große Marken.

Weitere Facebook Shop Funktionen, die ein riesiges Potenzial versprechen:

  • Live Shopping: Durch diese Funktion könnten Livestreams die Zukunft von Verkaufssendungen werden. Creator können Produkte im Live Stream vorstellen und direkt verkaufen. Fans können kommentieren oder Fragen stellen, sodass eine interaktive Verkaufssituation entsteht!
  • Bonus-Programme: Unternehmen können Loyalitätsprogramme einbinden, um die Markentreue von Fans noch einfacher zu belohnen!
  • Verknüpfung mit Facebook Ads: Marken können Ads auf Basis von Facebook Shops adressieren und so speziell Nutzer, die ein bestimmtes Produkt angesehen oder gespeichert haben, targetieren. Genauso sind Lookalike-Audiences auf dieser Basis möglich. So eng miteinander verknüpft waren Social Media Marketing und Commerce noch nie zuvor!

#2 Die Evolution: Neue Funktionen für Pinterest Shopping

Pinterest gilt schon länger als das Paradebeispiel für Social Commerce. Warum? Weil die Nutzer sehr Shopping-affin sind. Sie nutzen es, um aktiv nach Inspiration zu suchen, weshalb Anzeigen für Produkte, die ihnen gefallen, nicht als Störfaktor, sondern als Mehrwert angesehen werden. In der ersten Jahreshälfte hat Pinterest seinen Anspruch als leistungsstarke „Product-Discovery Engine“ mit einigen spannenden neuen Funktionen untermauert.

Der Shop Tab erobert die App

Insbesondere die Integration eines Shop Tabs in verschiedenen Bereichen der App ermöglicht es, Nutzern Shoppable Pins, also Pins mit Produkten, die direkt kaufbar sind, zu präsentieren. Seit April erscheint der Shop Tab u.a. in der Suche, sodass Menschen, die nach "Frühlingsoutfits" oder "Wohnzimmerdekoration" suchen, direkt verfügbare Produkte angezeigt bekommen. Seit Mai erscheinen innerhalb der Suche außerdem kuratierte Expertenempfehlungen, basierend auf Pinterest Trends.

Besonders spannend: Shopping via AR-Lense: Seit Juni können Pinterest-Nutzer sogar über die integrierte AR-Funktion mit ihrer Smartphone-Kamera Produkte entdecken, indem Pinterest ihnen ähnliche Produkte aus Shoppable Pins anzeigt.

Wie bei Facebook Shops: Einfachheit dank Verknüpfung zu Shop-Platform

Auch Pinterest hat im Frühjahr 2020 eine Partnerschaft mit Shopify angekündigt, sodass Shopify-Händler mit nur wenigen Klicks ihren Produktkatalog mit Pinterest verknüpfen können. So werden Produkte und Beschreibungen automatisch geuptated und der Händler kann unter einem Shop Tab auf seinem Profil seine Waren präsentieren, um so neue Kunden zu gewinnen.

Ob auch Pinterest bald Kooperationen mit weiteren Shop-Plattformen abschließt, ist nicht bekannt, kann aber als wahrscheinlich gelten.

#3 Und sonst? Der Siegeszug von Shoppable Ads geht weiter:

Schon lange arbeiten die großen Plattform-Anbieter daran, dass ihre Ads noch stärker "shoppable" sind, indem direkt in der Anzeige das Produkt und der Preis markiert sind, sodass User noch einfacher Produkte kaufen können. Einer der Vorreiter hier war Snapchat, die bereits 2018 Marken die Möglichkeit boten, AR-Lenses mit "Buy Now" Buttons zu versehen. Weiter etabliert hat sich das Thema vor allem durch die Einführung von Shopping Ads auf Pinterest und Instagram 2019

2020 geht der Siegeszug von Shoppable Ads weiter: So hat im Juni YouTube ein neues, innovatives Ad-Format vorgestellt, bei denen App Nutzer während der Videoanzeige durch die Produkte stöbern können – ein Schritt, der die Sales durch YouTube-Anzeigen enorm in die Höhe treiben kann.

Auch für die anderen Platformen, wie zum Beispiel TikTok und Snapchat ist Social Commerce ein stark fokussiertes Thema in 2020: Im April letzten Jahres brachte TikTok die ersten Ads mit "Shop Now"-Button in den USA online, jetzt gehen sie bereits kreativere Wege: So testet TikTok aktuell eine Funktion, bei der Marken Videos von Creators bewerben können, um direkt zum Shop zu leiten. In der chinesischen Version Douyin ist das Einkaufen direkt in der App bereits Standard. Snapchat kündigte kürzlich einen Test an, Markenprofile anzulegen, die unter anderem die Option eines Native Stores bieten, in denen Nutzer direkt innerhalb der App shoppen können.

Fazit: Plattformübergreifend gewinnt 'Shoppability' immer mehr an Bedeutung. 2020 macht Social Commerce für Marken noch attraktiver und einfacher, sodass die Möglichkeiten enorm steigen!

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